Ich weiss gar nicht, wo ich anfangen soll. Oh, was für Sorgen ich doch habe! Klar, wer hat schon NICHT viel zu tun? Das wär dann der, der über Langeweile klagt. Und sich vielleicht beim Klicken durchs Web auf Blogs verirrt, auf denen jemand von Stress jammert. Leidenskreislauf. Ich will meditieren!!!
Zunächst ein paar Ego-Bilder. Es war ein tolles Shooting. Es macht wirklich unglaublich Spass, sich in jemand andern zu verwandeln, und das nur mithilfe von Make-up und Hairstyling. Ich hab mich auf manchen Bildern selbst nicht wieder erkannt. Hier ein paar Auszüge:
Und nun zu meinem versprochenen Internetpost.
Nun, ich mag es nicht. Diese ganze Cyberwelt. Bin immer froh, wenn ich Leute treffe, denen das auch so (oder zumindest ähnlich) geht. Ich hab ja schon mal früher einen Post zu den 90ern im Vergleich zu den 50ern verfasst. Ja, nicht nur, dass in den 50ern ein ausgesprochen glücklicheres Händchen für Mode herrschte als in den 90ern, zu dieser Zeit gab es auch noch kein Internet und keine Handys, damals lebte man noch in der richtigen Welt, nicht auf einer zwanzig auf dreissig Quadratzentimeter grossen Pixelfläche. Damals lernte man sich draussen kennen, in echt, in einem Café, im Kino, an einer Demo. Heute läuft das übers Internet. Mal ehrlich: jeder Zweite hat doch heutzutags seinen Partner im Netz entdeckt. Und anhand von Fotos festgestellt, dass er es sein soll. Heutzutags bessert man sein Profil aus, wenn man sich attraktiver machen will, statt sich einen neuen Haarschnitt verpassen zu lassen.
Es ist grausam.
Alle diese schönen Traditionen gehen verloren. Alles läuft über dieses doofe Internet. Ja, wirklich alles. Ich hatte Freitickets für die Muba. War toll. Tickets, das ist doch etwas, womit man diesen ganzen Kult verbindet, für mich ist es das, ein Ticket, das ist so etwas wie ein Lottoschein, ein Ticket macht einen zu jemandem, der das Privileg hat, irgendwohin zu gehen, wo sonst nicht jeder hinkommt, man muss es zahlen, man muss es einlösen, man klebt es ins Tagebuch...okay, vielleicht ist das etwas zu weit ausgeholt, jedenfalls: mein Ticket musste ich mir übers Internet runterladen. So.
Ich bin also, zugegebenermassen im vorneherein schon völlig niedergeschlagen aufgrund dieser Tatsache, von der ich vor dem Erhalt des Scheins noch nichts wusste, an den PC gegangen, hab gehorsam die Homepage erscheinen lassen, die angegeben war, und mich erstmal von der unnötigen Musik, die da einfach losdudelte, nerven lassen. Nachdem ich die ausgeschaltet hatte, machte ich mich auf die Suche. Nach meinem versprochenen Ticket. Wo war es? Tausend verheissungsvolle Angebote, nirgends stand: Hallo, hier klicken fürs Ticket.
Wi ichs gefunden hab, weiss ich nicht mehr, jedenfalls war dann da dieser Link, der zu einem andern Link führte, der mich schliesslich in ein Word-Dokument führte, auf dem umständlich tausendfach vergrössert erklärt stand, was ich zu tun hatte. Und das war, natürlich, auszufüllen, wer ich war, wie gross meine Firma war, wieviele davon ich wo hatte und was für einen Titel ich besass.
Ich liess die Felder offen und klickte einfach nur auf "drucken." Dass das nicht funktionierte, war ja klar. Das Dokument verwandelte sich brav in eine Datei, die druckbereit war. Kein Word-Dokument mehr, nur noch ein kleines kompaktes Schriftpäckchen mit pdf oder so, dies war mein Ticket.
Ich druckte es aus.
Enttäuscht, ausgelaugt, weinend starrte ich auf den aus Druckerschwärze entstandenen Strichcode auf meinem A4-Zettel, der mein Ticket darstellte. Ich muss nicht erwähnen, dass die Frustration grenzenlos war...
Ich komme damit nicht klar.
Mag es Altersgenossen geben, die prima damit klarkommen, ins Zeitalter gerutscht zu sein, wo jeder twittert, chattet, MSN und Facebook und Festzeit und alles andere hat, ich kann es nicht. Mich macht es fertig. Es bereitet mir Stress. Ich will nicht im Internet leben. Mein Handy würde ich am liebsten auf den Müll schmeissen. Diese ganzen Jugendlichen, die ihr Mobiltelefon nicht einen Tag lang weglegen, geschweige denn ausschalten können - sie machen mir Angst. Was ist denn ständige Erreichbarkeit für ein Ideal?
Was soll das?
Links sind unsere neuen Lebenswege, MSN unser Smalltalkkult, die Webcam unsre Augen und ebay unser Coop.
Und ausserdem, und das hat damit jetzt nicht soviel zu tun, haben wir nichts, wofür wir kämpfen können. Die 68er, das wäre es gewesen.
Das einzige, das es gäbe: bekämpft die Elektronik! Nieder mit Flatrate! Killt Microsoft! Zieht euch aus!
Aber das will ja keiner. Und ich trauere meinem geliebten, knatternden Videorekorder hinterher und verachte dieses Scheiss-Bluewingerät, das uns tausend Sender aus aller Welt bietet und wünsche mir, dass alles wieder so wird wie früher. Man kann sich ja faxen. Oder Briefe schreiben. Meinetwegen soll man sich anrufen, mit einem ganz normalen Festnetztelefon. Oder am besten einfach ein Treffen vereinbaren.
Puh...ich könnte noch stundenlang so weitermachen. Ich bin einfach in der falschen Zeit geboren. Ein Lichtblick: ich bin jetzt volljährig. Ich werde Stimmen sammeln. Vielleicht gelingt es mir ja, eine Revolution gegen die moderne Technologie!
